Unsere Arbeitswelt: Jobsharing = Caring ?

von in Begegnungen am 15.06.2016

Bei uns im Wigwam wird ganz schön viel geteilt: das Großraumbüro, die Arbeitsplätze darin, Mittagspausen und -essen, das Wettbureau (unser Veranstaltungsraum), Sympathien und so mancher Humor. In Kürze teilt sich das Wigwam auch die Verantwortung. Wigwam wird eine eingetragene Genossenschaft. Wir haben nämlich gemerkt: Wer mitreden will, muss auch Verantwortung (er)tragen!

In der Genossenschaft gibt es selbstverständlich auch unterschiedliche Rollen, wie Vorstand, Aufsichtsrat oder (investierendes) Mitglied. Keine dieser Rollen wird jedoch nur von einer Person ausgefüllt, d.h. sowohl im Vorstand als auch im Aufsichtsrat gibt es mehrere Personen (was an sich nichts Neues ist), aber auch die fachlichen Aufgabenbereiche (Personal, Finanzen, Marketing etc.) werden von jeweils zwei Personen vertreten. Eine Doppelspitze also, oder ein Tandem. Wir fragen uns: Kann man diese Form der Rollenaufteilung dann schon „Jobsharing“ nennen? Und können wir ggf. schon etwas von dem bestehenden und bereits erprobten Modell des Jobsharing lernen?

Fragen, Fragen, Fragen

Weil wir diese und andere Fragen nicht unbeantwortet lassen wollen, haben wir zusammen mit gleichgesinnten Partner_innen die Veranstaltungsreihe Eine Arbeitswelt, wie sie uns gefällt ins Leben gerufen. Zum zweiten Mal fand sie am 24.Mai von 17-19 Uhr in unserem Veranstaltungsraum Wettbureau statt und hatte zum Thema…tadaaaaaa…Jobsharing!

Uns ging es darum herauszufinden, wie Jobsharing konkret aussieht und was Jobsharing bewirken kann. Uns treiben immer wieder Fragen um, wie: Wie wirkt sich das mehr an Lebenszeit auf die Tätigkeiten im Job und das Lebensgefühl allgemein aus? Wie organisiert man es, nicht nur in Teilzeit, sondern in einem geteilten Job als Tandem zu arbeiten? Mit was beschäftigt man sich, wenn man sich einen Job teilt? Welche Projekte und Ideen können so erst gedacht und realisiert werden?

Input dazu gab es von Tandemploy, der ersten Online-Plattform für ausgewiesenes Jobsharing. Mit einem Matchingalgorithmus werden geeignete Tandem-Partner_innen miteinander verbunden und auf Ideen für mögliche Arbeitsplätze gebracht. Obendrein betreibt Tandemploy intensives Lobbying für Jobsharing in Unternehmen.

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Im Zuge des Workshops haben wir gelernt, dass…

…es kein standardisiertes Jobsharing-Modell gibt

…man sich in Junior-Senior-, Mutter-Vater-, Vater-Single-Duos zusammenfinden kann

…man sich den Job nach Halbtagen, Ganztagen, Wochen oder Monaten aufteilen kann

…Menschen in Führungspositionen zu zweit  jeweils 100% auf einer Stelle arbeiten, anstatt eine Person 150%, usw.

Potenziale von Jobsharing

Über eine Frage aus dem Matchingalgorithmus fanden wir uns in Tandems zusammen und überlegten, wie wir unsere aktuellen Jobs oder Wunschpositionen miteinander teilen möchten. In einem Rollenspiel bewarben wir uns auf eine gemeinsame Stelle und stellten uns den kritischen Fragen der Arbeitgeber_innen. Am Ende diskutierten wir bei einer kleinen Busfahrt in die „Schöne neue Arbeitswelt“ darüber, ob der Mehrwert von Jobsharing nicht nur in der Befriedigung der „hedonistischen“ Ansprüche des Einzelnen und in der Kosteneinsparung für die Arbeitgeber liegt. Als positives Potenzial erkannten wir, wie Jobsharing den Gender Gap verkleinern helfen kann, weil Mann und Frau sich gleichermaßen einen Job teilen, Konkurrenz aushebelt unter Mitarbeiter_innen wie Führungskräften und darüber hinaus den Arbeitsbegriff neu auflädt. Letzteres Thema werden wir in einem weiteren Workshop noch beackern…

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Was hat das mit uns zu tun?

Ihr fragt euch, wieso sich eine Kommunikationsberatung und Agentur mit den großen Fragen der Arbeitswelt beschäftigt? Wir haben es uns zum Ziel gemacht, uns nicht als reiner Dienstleister nach klassischer GmbH-Geschäftsführer-Mitarbeiter-Struktur zu verdingen, unendliche Überstunden zu schieben, Kopfsprünge von einem ungewissen, vage umrissenen Pitch in den nächsten zu machen oder Webseiten für fragwürdige Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. Stattdessen erlauben wir uns eine Meinung zu den Aufträgen und zur Art und Weise der Zusammenarbeit mit unseren Kunden (bzw. Partnern auf Augenhöhe) zu entwickeln. Mit unserer Arbeit wollen wir ein Teil der neuen Arbeitswelt sein, Teil einer größeren Bewegung, die dem herrschenden Arbeitsparadigma, welches gute Arbeit u.a. mit viel Arbeit und der Erwirtschaftung eines maximalen Gewinns gleichsetzt, den Kampf ansagt. Und das geht nur, wenn wir das, was wir selbst erleben, mit anderen teilen, gemeinsam experimentieren und diskutieren!

Darum: Kommt mit uns auf die Reise! Besucht unsere Veranstaltungen, bringt euch ein, stellt uns eure Fragen und nennt uns Themen, die euch hinsichtlich der gegenwärtigen und zukünftigen Arbeitswelt umtreiben. Welche Erfahrungen, Wünsche, Sehnsüchte verbindet ihr mit dem Thema? Wir freuen uns über eure Meinungen dazu!

Kontakt: arbeitswelt@wigwam.im

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